Sonntag, 25. Januar 2015

Schwäbisch für Anfänger & typisch für unsere Region

 "Griaßgoodle" (Begrüßung),

gleich vor ab - es kann sein, dass für diejenigen unter euch, die Hochdeutsch sprechen, dieser Post etwas "oagnehm" (unangenehm) zu lesen ist, aber wir wollten unbedingt bei Kebo's neuem Blogevent "Typisch für..." mitmachen und da geht es diesen Monat um die Region oder Stadt.

Lange haben wir überlegt, was wohl für unsere Region typisch ist... Aber wie der Schwabe so schön sagt "No net hudla!" (Man soll nichts überstürzen). Es hat also eine Weile gedauert, aber dann wars sonnenklar - des isch die Sprôch (es ist die Sprache)!

Vorneweg müssen wir allerdings sagen, dass wir weder Urschwaben noch "Reigschmeckte" (Zugezogene) sind.

Grammatik:

"Der Weag, wo noch Schduagrd fiahrt" (Der Weg nach Stuttgart.)

Wie man schon an diesem einfachen Beispiel sieht, ist die schwäbische Grammatik besonders Satzstellungen "a Sach fir sich" (sehr speziell). Deswegen fangen wir mit etwas einfacherem an - den Zeiten am Beispiel von "frôga" (fragen)

Präsens: i frôg (ich frage)
Perfekt: i han gfrôgt (ich fragte)
Plusquamperfekt: i han gfrôgt ghedd (ich hatte gefragt)
Futur: jetz fang i glei zom frôga ô (ich werde fragen)

Jetzt noch als gutes Beispiel die Konjugation des Verbs "ganga" (gehen).

I gang
Du gôhsch
er/sui gôht
mir gangat
ihr gangat
dia gangat

I seh schô wie aich d'Köpf rauchat! :-) (Ich sehe schon wie euch die Köpfe rauchen)

Weiter geht es mit den
Vokabeln:

Zum Glück gibt es für unsere Sprache bzw. den Dialekt ein "Diktschonärle" (Wörterbuch), da kann man als Nicht-Schwabe alles nachschlagen.



Hier also ein paar Begriffe und "äbbes zom ãhgugga" (Fotos):


"Diereschnall" - Türklinke



"Kudderoimer" - Mülleimer & "Kudderschaufel" - Schaufel zum Zusammenkehren von Unrat



"alds Glõmb" - Antiquitäten 



"gäale Riaba, raude Riaba & Krumbiera" - "Karotten, Rote Beete & Kartoffeln" 


Dann haben wir jetzt noch "a Gmiassupp von dene raude Riaba für eich kochd" (eine Gemüsesuppe für euch gekocht), "hier ischs Rezäbt" (hier das Rezept). Des isch auf jeden Fall aufm oigana Mischt gwachsa - also selbrgmacht!



Zutaten für 2-3 Portionen: 500 g gekochte Rote Beete (gibt es auch im Vakuumpack beim Gemüse)
                                        1-2 Möhren
                                        1/2 Zwiebel
                                        Olivenöl 
                                        Instant-Bio-Gemüsebrühe
                                        ca. 1 Eßlöffel Sahne-Meerrettich aus dem Glas
                                        1/2 -. 3/4 Päckchen Soja-Sahne zum Kochen
                                        Zitronensaft
                                        Salz, Pfeffer
                                        frische Petersilie
                                        (1 Becher Naturjoghurt)

Die Zwiebel klein würfeln und zusammen mit den klein geschnittenen Möhren (wir machen immer kleine Stifte mit dem Gemüsehobel) im Olivenöl etwas andünsten. Dann die ebenfalls klein geschnittenen Rote Beete-Kugeln dazugeben und mit 1-2 Tassen Wasser ablöschen. Jetzt das Ganze 5-10 Minuten köcheln lassen und mit dem Pürierstab fein sämig zerkleinern. Je nachdem wie dick man die Suppe möchte, kann noch Wasser dazugegeben werden. Die Sojasahne und den Eßlöffel Sahne-Meerrettich dazugeben und nochmals etwas köcheln lassen. Zum Schluß mit der Gemüsebrühe, dem Zitronensaft, Salz und Peffer abschmecken. Mit frischer Petersilie bestreut servieren. Schmeckt wunderbar mit einem Klacks Naturjoghurt in der Suppe und frischem Brot dazu.
En Guada! (Guten Appetit!) 


Nun noch ein kurzer Überblick über das wohl wichtigste schwäbische Verb. Im folgenden haben wir eine Übersicht über die richtige Verwendung des Wortes "heben". 

1) Wenn etwas nicht bebbt, sagt man des hebt net. (Wenn etwas nicht klebt, sagt man das hält nicht.)
2) Wenn eine Leiter gesichert werden soll, sagt man "heb a mol die Loider!" (Halte bitte die Leiter!)
3) Wenn man etwas auf dem Boden liegen sieht, kann man es "uffheba". (aufheben/aufsammeln)
4) Wenn man etwas "net wegschmeißt, hebt man es uff." (etwas nicht entsorgen, sondern aufbewahren)
5) Wenn man zwei Dinge vergleichen will, muss man sie "nebanõh heba" (nebeneinander halten).

Wer dieses Schwäbisch immer noch nicht verstanden hat: Kann sich  noch einen Beitrag zur Schwäbischen Sprache von Harald Schmidt anschauen:



Eine kleine Hausaufgabe haben wir aber noch für euch, übersetzt bitte die 3 Wörter:
hälenga, Boiz, Gott'sbscheiserle.
Die Antworten könnt ihr uns gerne in die Kommentare schreiben - die Auflösung gibt es dann in unserem nächsten Post...
des Ganze got jetzt no schnell zu Kebo's Homing...

Ohhhhh....jetzt haben wir gerade bemerkt, dass es schon zu spät zum Verlinken ist....au des no....

Adele, machats guat! (schwäbische Verabschiedung)

P.S: Für die Richtigkeit dieser katastrophala Sprôch übernähmat mir koi Haftung, gell!

20 Kommentare:

  1. So i bi zwar koi waschechter Schwob aber was Gott´sbscheiserle send woiß i glaub. Des send doch Mauldäschle odr? Und a Boiz hätt i gsagt isch a Kneipe/Wirtschaft. Stimmts odr hon i recht?
    Hälenga??? I hon koi Ahnung. Und jo dia Sprôch isch tatsächlich kataschtophal!
    A liabs Griaßle ;)

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  2. Hallöle ihr Schwobe....oder soll i Gellfüssler soage?
    Des darf ma aber als nid sage... gell han i Recht?
    Also i verstoh euri Sproch eneweg gued,au wenn i a Badenzeri nur bin. Weisch i gugg viel "de Hannes un de Bürgermeischter"im Fernseh a un deswege verstoh i euch au so gued.
    Des isch a guede Bericht und des Rezept isch au nid schlecht...werds emol usprobiere...
    Schenne Sunndigzobe ~Susanne~

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  3. Das ist ja mal ein interessanter Post ;)
    Man lernt nie aus. Eine super Idee, die Spracheigenarten vorzustellen.
    Ich wünsche Euch einen guten Start in die neue Woche.
    Liebe Grüße
    Fanny

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  4. Uiih, des is ja kompliziert!
    Aber lustig.
    Ich bin ja Rheinländerin, kann auch sehr gut "Platt schwätzen", unser hiesiges Dorfplatt.. (Dialekt) Kölsch ist zwar auch rheinisch, aber auch sehr "kradisch" (derb, wirkt sehr primitiv). Leider lebt ja nun meine alte Dame nicht mehr, mit ihr war ich sofort drin, im Platt..
    Spättzle und Maultaschen mag ich übrigens sehr gerne! Ist sicher so typisch wie das rheinische Sauerkraut, Sauerbraten mit Kartoffelpüree bei uns.
    Liebe Grüße
    Marita

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  5. HÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄhhhhhh ????? Ihr lieben, ich versteh gar nix.... tut mir leid :0). Aber gut, dass ihr gleich die Übersetzung dabei habt !!!
    Und bei Harald Schmidt habe ich auch herzlich gelacht ☺
    Zur Hausaufgabe: Öhhhhhhhh, ich weiß es nicht, manno ☺.. ich bitte um Auflösung !
    Viele liebe Grüße von der grübelnden Ulli ;0)

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  6. Liebe Jinx, liebe Petra!

    Das ist aber mal herrlich! :-)

    Bei uns sspricht so manch einer mit einem sspitzen "ss".
    Ich nicht, aber ich finde es sehr schön zu lesen! Ich freue mich auch auf die Auflösung....! :-)
    Die vegane Variante der Suppe könnte direkt was für mich sein...vielen Dank! :-)

    Tschüß! :-)

    Eure Trix

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  7. Hey ihr Beiden,
    ist ja lustig...ich erkenne Ähnlichkeiten mit der Wienerischen Sprache. Obwohl ja eher die bayerische Sprache der österreichischen ähnlicher ist, kann ich manches ganz gut verstehen. :-) Auch die Wiener sagen "nur net hudln" zu "nur nichts überstürzen". Eure Übersetzungsaufgabe musste ich googeln, da hatte ich echt keine Ahnung. "Wünsch dir was" hat schon zwei der Wörter richtig übersetzt...fehlt nur noch hälenga (heimlich). Ich gehe mal davon aus, dass ihr uns Wiener ganz gut verstanden habt, als ihr hier zu Besuch wart. :-)
    Finde ich schön, mal zu lesen, wie "schwäbisch" aussieht. Mein Bruder kann das ganz gut habe ich gemerkt, ich habe absolut keine Ahnung woher. Er kann mich nach so langer Zeit noch immer überraschen...genial. :-)
    Ein solches Wörterbuch gibt es auch für die wienerische Sprache. Eine kleine Ausgabe davon habe ich auch zu Hause. Es nennt sich "Der kleine Wappler". Als Wappler bezeichnen die Wiener einen gemäßigten Dummkopf. Zugezogene nennen die Schwaben "Reingschmeckte". Die Wiener sagen "Gscherte". Natürlich ist vieles verschieden, aber einige Ähnlichkeiten gibt es.
    Wunderbar lustiger Post, geschmückt mit schönen Bildern.
    Liebe Grüße
    Danny

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  8. Also ick für meen Teil kann nua sagen, ick liebe Dialekte!

    Liebe Grüße aus Berlin
    Doreen

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  9. Ihr zwei seid super :-), was für ein klasse Post! Ich nehm euren Link mit und setz ihn beim Kommentar dazu, damit der Beitag oft angeklickt wird bei Euch, ich finde ihn herrlich, musste manches laut lesen, um es zu verstehen... Freu mich, dass ihr mit dabei seid!!!
    Und im Februar nicht vergessen, von 15. bis 22. ist das Linktool geöffnet :-)
    Herzliche Grüße und einen guten Start in die Woche, Kebo

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  10. Guten Morgen ihr beiden,
    was hab ich mich grad amüsiert. Also schwädza du i scho schwäbisch, allerdings nicht ganz so breit, aber mit dem schreiben haperts :-).
    Mir fällt gerade noch der Dätschmer-Club ein. Kennt ihr den?
    Ich wünsch euch eine gute Woche.
    Herzliche Grüße
    Alex

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  11. Hallo Ihr Beiden,
    ein toller Post met einer klass Sprooch.
    Da isch dank vieler Umzüge en d'r Kindheit einige Dialekte kennen gelernt han, Kölsch, Meenzerisch, Pfälzisch un jitz noh Kowelenzerisch, kann isch mir einiges zosamme deechte.
    Awer Eure drei Hausaufgabenwörter sin schon speziell. Isch jlauv dat letzte sin Maultaschen, oder?
    Euch einen schönen Daach un lieve Grüße
    Nicole

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  12. Hahahaaaah, ich muss grad so lachen :D
    Alds Glomb... :D

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  13. Griassgoodle mitdanand,
    Ha des hebbt mei Gmied haid mächtig :-)
    A Gott'sbscheiserle isch a Mauldasch
    A Boiz isch a Kneipe
    Ond hälenge isch geheim!!!
    Gell i han reacht???
    Ond sonscht so, goads aich guat???
    A guate Supp händer gmacht, ho do griage glei mol an Honger.
    A scheane Woch wünsche eich, bleibat gsond!
    Sabine

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  14. Hallo ihr zwei !
    Ein genialer Post ! Ich musste sehr lachen !
    Leider kann ich nur "a weng badennnnsischsch" und kein schwäbisch.
    Und daher habe ich aber sowas von keine Ahnung, was hälenga, Boiz, Gott'sbscheiserle bedeutet.

    Aber im Gegenzug habe ich auch ein kleines Rätsel für euch:
    Wer hat das schöne Holzschild bei mir gewonnen ??? Na ??? Da kommt ihr nie drauf ;o) !

    Liebe Grüsse und bis bald,
    Anja

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  15. Hallo Ihr Beiden,
    haha...da hab ich herzlich gelacht und laut vor dem PC mitgesprochen....ehrlich!
    und danke für das schöne Rezept....rote Beete ist eigentlich nicht so meins, aber wenn ich das so lese, sollte ich mich vielleicht doch mal ran trauen.
    Liebe Grüße
    Smilla

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  16. soooooo herrlisch!!! ;-)
    von mir aus könntet ihr immer auf schwäbisch posten!!!
    herzlichste grüße & wünsche an dich
    amy

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  17. haaaaaaaaaaaaaaaaaa I SCHMEISS mi weg,,,,,,
    soooooo genial,,,,,
    i hun zwar au ah paar JAHRL bei de SCHWOB gwohnt,,
    UND ka au a bisle schwäbisch schwätze ABER den han i nit gwust,,,,
    HAAAAAA NOIIIII.....ggggg
    super gmacht,,, aber es isch gar nit soooo eifach,, in DIALEKT zu schreiba gaaaaa
    KENN des aus ERFAHRNUNG..gggggg
    hob no an feina ABEND
    und DANKSCHEEEEN für de liaben WORTE bei mir
    BUSSALE aufs POPSCHI,,,,
    bis bald de BIRGIT

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  18. Dialekt ist soooo wunderbar! Auch den Schwäbischen höre ich gerne, gestern wieder die Kirche bleibt im Dorf gesehen und mich weggeworfen! Besonders Fluchen klingt auf Schwäbisch ultra guuut!

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  19. Oh, wie habe ich gerade gelacht. Und wieder etwas dazugelernt: hälenga kannte ich nicht.

    Vielen Dank und liebe Grüße,
    Sabine

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  20. Hallo ihr Beiden,
    ein toller Post, so schön geschrieben! Ich musste beim Lesen so oft Schmunzeln... :-)
    LG, Kerstin M.

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